Scheitern ist etwas Tolles? „Von wegen!“, sagst du jetzt bestimmt. Wer Neues wagt, der will damit erfolgreich sein. Aber ich verspreche dir aus eigener Erfahrung: Es kann ziemlich sinnvoll sein, auch mal auf die Fresse zu fliegen. 

Scheitern – darüber reden wir alle nicht so gern. Sollten wir aber. Warum? Verrate ich dir gleich an einem konkreten Beispiel, versprochen!

Vorher will ich dir aber deutlich machen, dass Scheitern nichts Schlimmes ist. Während du auf die Nase fällst, lächelst du natürlich nicht vor Freude, jetzt endlich mal auf die Nase zu fallen. Schon klar.

Im Nachhinein wirst du aber happy sein, falls du richtig mit dem Scheitern umgehst. Scheitern ist eine Chance.

Du hast gerade lauter Fragezeichen im Kopf und fragst dich, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe? Okay, lass es mich an einem eigenen Beispiel erklären.

Ich bin gescheitert

Vor dreieinhalb Jahren (hui, so lange ist das schon her!?) habe ich mein erstes Unternehmen gegründet. Konkret handelte es sich um ein lokales Onlinemagazin.

Krass, wie naiv ich an das Projekt herangegangen bin – im Nachhinein betrachtet. Aber gut, ich war jung und brauchte das Geld 😉 Oder so. Das Blöde: Viel Geld ist nicht rausgesprungen.

Ich greife vorweg: Nach zwei Jahren war Schluss. Das ist aber nicht der einzige Aspekt meines Scheiterns. Mir geht es auch um eine Crowdfunding-Aktion, die ich gestartet habe. Mein Ziel war damals, aus dem Lokalblog ein Print-Magazin zu machen.

Geklappt hat es nicht. Es kam zu wenig Geld rein und das Crowdfunding ist gescheitert. Fuck!

Mein Scheitern war genial!

Klar, als ich gerade dabei war, auf die Nase zu fliegen – als ich also quasi im Flug war -, da fand ich das wenig prickelnd. Dass meine Crowdfunding-Aktion und später auch mein Lokalblog als Ganzes nicht erfolgreich waren – Mist!

Aber ich habe etwas daraus gemacht! Ich habe das Scheitern als Chance begriffen. Ich will dir verraten, was ich daraus gemacht habe.

1. Ich habe das Crowdfunding-Scheitern öffentlich gemacht und evaluiert

Ich bin mit der Crowdfunding-Aktion gegen die Wand gefahren – aus unterschiedlichen Gründen. Wie ich mich danach gefühlt habe? Scheiße! Aber wie sagt man so schön?

[tweet_box design=“default“]“Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“ – Samuel Beckett[/tweet_box]

Was habe ich also gemacht? Ich bin mit dem Scheitern sehr offensiv umgegangen und habe sehr ausführlich darüber gebloggt. Ganz transparent habe ich erklärt, wie ich das Projekt angegangen bin, was gut und was mies gelaufen ist und – und das war der wichtigste Punkt – was ich jetzt anders machen würde.

Ich habe andere quasi an meinem Scheitern teilhaben lassen. Ich bin gescheitert. Aber wir alle haben etwas daraus gelernt.

Das Kuriose war: Mein Crowdfunding-Projekt hat durch diesen einen Blogbeitrag mehr Aufmerksamkeit bekommen als zuvor während der Finanzierungsphase. Shit happens.

Letztendlich hat es mir aber wahrscheinlich sogar mehr gebracht, als mir der Erfolg gebracht hätte. Ich wurde sogar als Crowdfunding-Experte für Vorträge gebucht. Seit dieser Zeit beschäftige ich mich nämlich näher mit diesem Phänomen. Ende gut, alles gut.

2. Meine Zeit als Lokalblogger war eine unglaublich lehrreiche Zeit

Das Scheitern meines ersten Unternehmens, also das Ende meines lokalen Online-Magazins, das ist etwas anders verlaufen.

Ich habe nicht darüber gebloggt, sondern gelernt und meine Erfahrungen gebe ich heute noch weiter. Was ich gelernt habe? Ein kleiner Auszug:

  • Ich weiß jetzt, wie man ein Gewerbe anmeldet
  • Ich habe früh gelernt, wie das mit der Umsatzsteuer-Voranmeldung und Elster Online funktioniert
  • Niemals zuvor habe ich mich mehr in WordPress hineingefuchst
  • Ich bin das erste Mal auf Unternehmen zugegangen, um mein Produkt – eine Anzeige – zu verkaufen
  • Ich habe erste Praktikanten bei mir Zuhause gehabt
  • Ich habe gelernt, Aufgaben an andere zu delegieren
  • Ich habe mich mit Marketing beschäftigt – von Facebook-Werbung über Flyer bis hin zu Auto-Beschriftungen
  • Ich habe mich sehr intensiv mit der Branche – dem Lokaljournalismus – auseinandergesetzt

Ist das nicht super? Wie du vielleicht weißt, habe ich mein Studium abgebrochen, um mich ganz meiner Selbstständigkeit zu widmen. Selbstverwirklichung, ich komme! Ich behaupte, ich habe in den letzten zwei, drei Jahren – teilweise neben dem Studium – mehr gelernt, als ich in jedem Studium hätte lernen können.

Warum Scheitern eine Chance ist

Ich will dir also mit auf den Weg geben: Scheitern ist nicht das Ende. Scheitern ist nicht zwingend etwas Schlechtes. Scheitern ist deine Chance.

Scheitern ist während des Scheiterns doof, aber je nachdem, was du daraus machst, bringt dich Scheitern noch weiter, als so mancher Erfolg, der glatt und ohne Hürden erreicht wird (ja, das soll es geben).

Denn sieh es mal so: Wir befinden uns auf einem Weg, der niemals endet – nur mit unserem Tod. Wir werden nie ganz am Ziel sein. Das Leben ist ein Prozess. Zu diesem Prozess gehört es dazu, auch mal auf die Fresse zu fliegen. Das macht uns stark. Wir lernen daraus. Und wie du weißt: Mit dem Lernen sollten wir niemals aufhören.

„Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“
– Samuel Beckett


Buch-Tipp

Es gibt so viele Bücher über Erfolg, aber nicht allzu viele Bücher über das Scheitern. Das Donald Duck Prinzip* ist aber so eines, weshalb ich es euch ans Herz legen will. Es beschäftigt sich mit der Kultur des Scheiterns und zeigt – nicht nur im Arbeitsleben – Wege auf, wie man aus dem Scheitern lernen und ihm Positives abgewinnen kann. Das Buch ist schon etwas älter – aus dem Jahr 2006 -, aber deshalb nicht weniger gut.


Die Studie zum Scheitern

Wie sehen die Deutschen das eigentlich mit dem Scheitern? Andreas Kuckertz, Christoph Mandl und Martin P. Allmendinger von der Universität Hohenheim haben sich genau mit dieser Frage beschäftigt und kürzlich eine Studie hierzu veröffentlicht. Eines von vielen interessanten Ergebnissen: Knapp 80 Prozent der Deutschen erkennen im Scheitern etwas Positives, weil es zum Beispiel der Selbstreflexion dient. Geht es ums unternehmerische Scheitern, finden plötzlich nur noch rund 15 Prozent der Befragten etwas Positives darin Mehr interessante Ergebnisse findest du unter neue-unternehmerkultur.de.

Neue-Unternehmerkultur-Graphik-Einstellung (1)